Das Selbstbild eines Sklaven und Weltenbummlers – Jürgen Jacobsen in Afrika (1799–1804)

von Sandra Klammer

Arbeit eingereicht bei: Univ.-Prof. Mag. Dr. Arno Strohmeyer

Über den dänischen Seemann Jürgen Jacobsen (1778–1855) ist heute wenig bekannt, denn sein Werk, eine Beschreibung seiner Zeit als Sklave in Marokko und Weltenbummler, wurde nur in geringem Ausmaß rezipiert. Er befand sich ab 1799 vier Jahre lang in Gefangenschaft: Muslimische und jüdische Herren bestimmten sein Leben. 1803 erlangte er seine Freiheit wieder, doch erst 1815 kehrte der Däne heim. Jacobsen hinterließ der Nachwelt 1821 einen Bericht, den man als Selbstzeugnis und Reisebericht bezeichnen kann. Der Text wird im Hinblick auf die Darstellungsweise des Selbst und Handlungsweisen des Autors analysiert. Es werden unterschiedliche textliche Ebenen erkennbar, wie sich Jacobsen etwa seinem Publikum präsentierte, ob er Emotionen schilderte, sich ängstlich oder mutig, fromm oder als Abenteurer auf der Suche nach Gefahr zeigte.

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Türkenbilder in der Reysbeschreibung des Johann Wild (1613)

von Christoph Würflinger

Arbeit eingereicht bei: Univ.-Prof. Mag. Dr. Arno Strohmeyer

Diese Arbeit beschäftigt sich mit Fremdbildern im frühen 17. Jahrhundert. Untersucht werden diese anhand des 1613 veröffentlichten Reiseberichts des Soldaten Johann Wild, der im Zuge des sogenannten Langen Türkenkrieges (1593–1606) in Gefangenschaft geriet und infolge dessen als Sklave das ihm fremde Osmanische Reich bereiste. Mittels eines weiten Kulturbegriffs wird analysiert, wovon und aus welchen Gründen sich Wild abzugrenzen versuchte. Sein Bericht wird dabei stets im Kontext der zeitgenössischen Literatur zur „Türkengefahr“ betrachtet.

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Die „Kleidung“ der Diplomatie. Kaftane in den habsburgisch-osmanischen Beziehungen

von Lisa Brunner

Arbeit eingereicht bei: Univ.-Prof. Mag. Dr. Arno Strohmeyer

Kleidung hatte und hat einen bedeutenden kulturellen Stellenwert, so kann sie etwa identitätsstiftend wirken oder gewisse Bevölkerungsgruppen klar kennzeichnen. Die vorliegende Arbeit widmet sich im Speziellen der Verleihung von sogenannten Ehrenroben an habsburgische Gesandte in Konstantinopel. Die oftmals falsche Deutung dieses zeremoniellen Aktes aufseiten der Europäer unterstreicht das gegenseitige kulturelle Missverständnis, denn die Übergabe eines Kaftans erfolgte im osmanischen Kulturraum nur von einem Ranghöheren an eine rangniedrigere Person.

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Isfahan unter den Safawiden – Persische Raumkonzepte in Engelbert Kaempfers Reisebericht Amoenitates Exoticae 1712

von Daniela Vordermaier

Arbeit eingereicht bei: Univ.-Prof. Mag. Dr. Arno Strohmeyer

In seinem 1712 veröffentlichten Reisebericht Aemonitates Exoticae gab der Arzt und Gelehrte Engelbert Kaempfer einen Überblick über die architektonischen und urbanistischen Grundlagen der persischen Hauptstadt Isfahan und ihrer Garten- und Palastanlagen, der Fragen nach persischen Raumkonzepten, städtebaulicher Repräsentation und der Bedeutung des persischen Gartens im Safawidenreich aufwirft. Neben textlichen Beschreibungen fügte Kaempfer erstmals kartografisches Material ein, das nicht zu illustrativen Zwecken, sondern als Erklärung diente, den medialen Zusammenhang von Text und Bild in den Fokus rückte und einen Vergleich mit zeitnah in diesem Kontext entstandener Vedutenmalerei ermöglicht. Seinem botanischen Interesse geschuldet war zudem eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Gartenanlagen, die auf eine überblicksmäßige Beschäftigung mit dem Konzept des islamischen Gartens hinweist und zu dessen Vermittlung in den Westen beitrug.

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Multimodalität im Reisebericht „Vermehrte Newe Beschreibung Der Muscowitischen vnd Persischen Reyse“ (1656, Reisejahre: 1633 1639) des Adam Olearius: Isfahan in Sprache und Bild

von Judith Klanner

Arbeit eingereicht bei: Univ.-Prof. Mag. Dr. Arno Strohmeyer

Multimodalität bezeichnet eine Form der intersemiotischen Kommunikation. In der folgenden Arbeit werden intersemiotische Beziehungen im Reisebericht Vermehrte Newe Beschreibung Der Muscowitischen vnd Persischen Reyse von Adam Olearius aus dem 17. Jahrhundert untersucht. Konkret stehen die Beschreibung der Stadt Isfahan und evaluative Darstellungen des Fremden im Vordergrund. Die Analyse zeigt, dass zwischen verbalen Erörterungen und visuellen Abbildungen intersemiotische Beziehungen bestehen. Beide Modalitäten überneh-men dabei verschiedene Funktionen. Während die Bilder u. a. das Gesagte visuell verstärken, dient der verbale Text dazu, zusätzliche Informationen anzuführen und subjektive Evaluationen des Wahrgenommenen zu vermitteln. Die Analyse in diesem Kontext repräsentiert eine bisher einzigartige Verbindung von linguistischen und geschichtswissenschaftlichen Methoden.

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Von der Flâneurie zur Voyage. Frühe Radreisen als Sonderform der weiblichen Mobilitätsgeschichte(n) im englischen Radsport?

von Christoph Elbl

Arbeit eingereicht bei: Mag. Dr. Andreas Praher

Gestützt auf tief verankerte Ressentiments und etablierte Geschlechterrollen gingen der Emanzipation von Frauen im englischen Radsport Ende des 19. Jahrhunderts heftige gesellschaftliche Debatten voraus. Während in der Forschung dahingehend mit der Flâneurie on Bicycles alltägliche Radfahrten zur Zeit der Jahrhundertwende bereits berücksichtigt wurden, fehlt eine Betrachtung mehrtägiger Radreisen gänzlich. Unter dem Blickpunkt von Gender und Mobility definiert dieser Artikel mit der Voyage frühe Radreisen erstmals als Sonderform insbesondere weiblicher Mobilitätsgeschichten im Sport. Erläutert werden sowohl die vielfältigen Voraussetzungen als auch spezifischen Charakteristika zeitgenössischer Radreisen. Zur Konkretisierung wird mit dem kaum erforschten Tagebuch Amy Maldens aus den Jahren 1901 und 1903 zudem eines der raren Selbstzeugnisse weiblicher Radreisender analysiert.

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