Begegnung – Betrachtung – Annäherung. Das „andere“ Geschlecht in ausgewählten Reisebeschreibungen Ida Pfeiffers (1797-1858)


Reisende, Forscherin, Sammlerin, Touristin, Grenzgängerin? – die Wiener Biedermeierdame Ida Pfeiffer (1797–1858) erlangte aufgrund ihrer abenteuerlichen Reisen rund um die Welt sowohl national als auch international Bekanntheit. Ihre Emotionen, Eindrücke und Erlebnisse wurden in mehreren Reisebeschreibungen festgehalten und im Abstand von 17 Jahren publiziert. Sie zeugen nicht nur von einer subjektiven Auseinandersetzung mit dem Fremden, sondern verdeutlichen auch ihren differierenden Umgang mit Männlich- und Weiblichkeiten. Sie agierte nicht nur entgegen den von der Gesellschaft festgelegten Weiblichkeitskonzeptionen, sondern legte in ihren Reisebeschreibungen auch überaus interessante Kommunikations- und Interaktionsstrategien offen, die verdeutlichen, wie sie Kontakt zu Personen unterschiedlichen biologischen Geschlechts aufbaute. Insbesondere die Begegnung, Annäherung und Betrachtung des „männlichen“ Geschlechts in ausgewählten Reisebeschreibungen Ida Pfeiffers stellen die zentralen Untersuchungspunkte dar.

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Arbeitsmigration und sozioökonomische Strukturveränderungen in der Pinzgauer Gemeinde Lend von 1890 bis 1933


Der vorliegende Aufsatz analysiert den Pinzgauer Industriestandort Lend unter historisch-demografischen und migrationsgeschichtlichen Gesichtspunkten im Zeitraum von 1890 bis 1933. Die in zeitgenössischen Quellen überlieferten Meldedaten der Gemeinde wurden auf Berufsstruktur, Zugehörigkeit zu den drei Wirtschaftssektoren, Aufenthaltsdauer, Altersstruktur, Geschlechterverteilung sowie Herkunft der Einwander*innen hin untersucht. Um die Jahrhundertwende erlebte der Ort durch die Inbetriebnahme einer Aluminiumkarbidfabrik eine zweite Phase der Industrialisierung. Diese Reindustrialisierung wäre ohne den Zuzug von Arbeitskräften nicht möglich gewesen. Vor allem aus den umgebenden Gemeinden wanderten in dieser Zeit zahlreiche Arbeitskräfte zu. Aus ferneren Regionen kamen dagegen nur wenige Einwander*innen. Diese Ferneinwander*innen wiesen oftmals spezifische Fachkenntnisse auf. Daher kann von einem Zusammenhang zwischen Spezialisierung und Ferneinwanderung gesprochen werden. Phasen starken Zuzugs und Phasen, in denen nur wenige Menschen nach Lend zogen, wechselten einander ab. Die vorliegende Arbeit untersucht mögliche Gründe für diese Wellenbewegung.

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„Aber im Guten, weil wir mit ihm zufrieden sind gewesen und haben ihm sein Vieh in Frieden gelassen. Emotionsgeschichtliche Überlegungen zum Verhältnis zwischen Söldnern und der Bevölkerung im Dreißigjährigen Krieg.


Die Söldner des Dreißigjährigen Krieges sind als brutale und rohe Sozialgruppe in die Geschichte eingegangen. Besonders ihr Verhältnis zur Zivilbevölkerung war maßgeblich von Konflikten geprägt, weshalb die mentalitätsgeschichtliche Forschung trotz immer deutlich werdender Differenzierung von einem „lebensweltlichen Antagonismus“ zwischen diesen Personengruppen gesprochen hat. In diesem Beitrag soll diese Debatte um eine emotionsgeschichtliche Perspektive ergänzt werden, um die indirekt implizierten Emotionen in den Mittelpunkt zu stellen. Würdigt man die sich zeitlich und kulturell wandelnde Konstruktion von Emotionen, ergibt sich ein Söldnerbild, dessen Gewalthandlungen nicht ausschließlich auf eine negative Einstellung zur Zivilbevölkerung zurückzuführen sind. Für die Untersuchung wird eine Reihe von Selbstzeugnissen herangezogen, die einen Einblick in die alltäglichen Konfliktsituationen bei Einquartierungen liefern sollen und eine kritische Analyse der dahinter liegenden Emotionen der Söldner ermöglichen.

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Esther Gad und die Berliner Salons der 1790er Jahre. Eine Frau ihrer Zeit oder Vordenkerin im Kampf um die Gleichberechtigung der Geschlechter?

Häufig lag der Fokus der geschichtswissenschaftlichen Forschung auf „großen Männern“. Die vorliegende Arbeit befasst sich als Gegengewicht mit dem Einfluss jüdischer Frauen auf gesellschaftliche Veränderungen in den 1790er Jahren. Dafür wirft die Arbeit einen Blick in die Berliner Salons. Im Zentrum steht die in der Forschung eher unbekannte Schriftstellerin Esther Gad (1767–1836). Es soll die Frage geklärt werden, ob Esther Gad eine Frau ihrer Zeit oder doch Vordenkerin im Kampf um die Gleichberechtigung der Geschlechter war. Wesentlich ist hierbei eine „Streitschrift“ Gads, in welcher sie die Aussagen des anerkannten Pädagogen Joachim Heinrich Campe (1749–1818) über die Rolle der Frau in der Wissenschaft argumentativ hinterfragt. Dabei geht Gad auf soziale, moralische und biologische Aspekte ein. Die Schrift ist als ein revolutionäres Pamphlet anzusehen.

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Die Kunstkammer Erzherzog Ferdinands II.: Das Ambraser Wappenkästchen im Vergleich


Das Ambraser Wappenkästchen ist seit dem 16. Jahrhundert als Teil der Kunst- und Wunderkammer Erzherzog Ferdinands II. auf Schloss Ambras in Innsbruck belegt. Obwohl vor allem in den letzten Jahren das intrikate Innenleben des Kästchens sowie die verschiedenen Materialien aus denen das Innere des Kästchens besteht in der Forschung untersucht wurden, sind Fragen bezüglich der Herstellungsmotive sowie der Funktion des Wappenkästchens noch unbeantwortet. Dieser Beitrag versucht daher durch den Vergleich mit drei ähnlichen Objekten, Antworten auf diese Fragen zu finden. Dazu wird innerhalb der materiellen Kulturforschung methodisch der Zugang einer erweiterten Objektbiografie gewählt. Als Vergleichsobjekte werden unter unterschiedlichen Gesichtspunkten das Quedlinburger Wappenkästchen, zwei Gaming Boxes aus dem Victoria and Albert Museum sowie der Ambraser Schüttelkasten herangezogen.

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Das Redaktionsteam der Ausgabe 10/2023

Redaktionsleitung
Livia Heilingbrunner, BA MA

Gutachter*innen
Mag. Dr. Alexander Jost
Peter Färberböck, Bakk.techn. BA MA
Dr. Hannes Hofstadler, BA
Sebastian Mitterbauer, BA BA MA
Univ.-Prof. Mag. Dr. Arno Strohmeyer
Judith Zimmermann, BEd MEd
Mag. Dr. Lena Oetzel
Anna Vierlinger, BA
Mag. Dr. Robert Obermair
Cassandra Burgstaller, BSc.
Lukas Fallwickl, BA MA
Valentina D’Uva, B.Ed.Univ. BA
Mag. Barbara Denicolo
Mag. Dr. Johannes Dafinger
Marcus Gründlinger

Endredaktion

Mag. Dr. Johannes Dafinger
Mag. Dr. Lena Oetzel
Univ.-Prof. Mag. Dr. Arno Strohmeyer
Mag. Dr. Alexander Jost
Livia Heilingbrunner, BA MA
Cassandra Burgstaller, BSc.