„Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“ – Übersetzungsprozesse in der Neuzeit am Beispiel französischer Reiseberichte und ihrer Übersetzung ins Deutsche

von Annelyse Forst

Arbeit eingereicht bei: Univ.-Prof. Mag. Dr. Arno Strohmeyer

Als Menschen in der Neuzeit in andere Länder reisten, trafen sie auf neue „Realitäten“ wie Landschaften, Fauna, Flora, Sprachen, Kulturen, Religionen etc., die in ihrer Heimat unbekannt waren und für die es noch keine Begriffe gab. Über neue Wörter bzw. Wörter aus den Sprachen der bereisten Länder sollten sich die Leser diese neuen Realitäten aneignen. Wir haben also in Reiseberichten mit mehreren Übersetzungsprozessen zu tun: Zuerst musste ein Reisender diese unbekannte Realität für die Leser seines Heimatlandes in neue Wörter übersetzen. Anschließend übertrugen Übersetzer die beschriebenen „Realitäten“. In dieser Arbeit werden verschiedene Übersetzungsprozesse und -verfahren in den Reiseberichten wie auch in ihren Übersetzungen vorgestellt und an Beispielen veranschaulicht.

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Ebensee 1800–1810. Ein Einblick in die Zeit der Koalitionskriege anhand der Pfarrmatriken

von Simon Kienesberger

Arbeit eingereicht bei: Univ.-Prof. Mag. Dr. Arno Strohmeyer

Die demographischen Auswirkungen der Koalitionskriege auf die Einwohnerschaft des Ortes Ebensee im Salzkammergut stehen im Mittelpunkt dieses Artikels. Durch die Auswertung von über 3.000 Einträgen in den Pfarrmatriken konnte ein Zusammenhang zwischen den drei Einmärschen der napoleonischen Armeen und einem Anstieg sowohl der allgemeinen Sterblichkeit als auch der Säuglings- und Kindersterblichkeit belegt werden. Obwohl aktive Kampfhandlungen im inneren Salzkammergut ausblieben, forderten die Folgen von Requirierungen sowie Infektionskrankheiten enorm viele Todesopfer und zeigen, welch verheerende Auswirkungen kriegerische Auseinandersetzungen haben. Der Artikel soll ein erster Beitrag zur regionalgeschichtlichen Aufarbeitung des Lebens der Einwohner*innen des Salzkammergutes sein. Durch die Einträge in den Pfarrmatriken, die Namen, Wohnorte, Berufe, Geburts- und Todesdaten sowie Todesursachen umfassen, wird auch das Leben der „einfachen“ Bevölkerungsschichten greifbar und wissenschaftlich auswertbar.

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Das Selbstbild eines Sklaven und Weltenbummlers – Jürgen Jacobsen in Afrika (1799–1804)

von Sandra Klammer

Arbeit eingereicht bei: Univ.-Prof. Mag. Dr. Arno Strohmeyer

Über den dänischen Seemann Jürgen Jacobsen (1778–1855) ist heute wenig bekannt, denn sein Werk, eine Beschreibung seiner Zeit als Sklave in Marokko und Weltenbummler, wurde nur in geringem Ausmaß rezipiert. Er befand sich ab 1799 vier Jahre lang in Gefangenschaft: Muslimische und jüdische Herren bestimmten sein Leben. 1803 erlangte er seine Freiheit wieder, doch erst 1815 kehrte der Däne heim. Jacobsen hinterließ der Nachwelt 1821 einen Bericht, den man als Selbstzeugnis und Reisebericht bezeichnen kann. Der Text wird im Hinblick auf die Darstellungsweise des Selbst und Handlungsweisen des Autors analysiert. Es werden unterschiedliche textliche Ebenen erkennbar, wie sich Jacobsen etwa seinem Publikum präsentierte, ob er Emotionen schilderte, sich ängstlich oder mutig, fromm oder als Abenteurer auf der Suche nach Gefahr zeigte.

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Bilder der Macht – Macht der Bilder. Ludwig XIV. als Sonnenkönig in der zeitgenössischen Bildpublizistik

von Simon Edlmayr

Arbeit eingereicht bei: Univ.-Prof. Mag. Dr. Arno Strohmeyer

Ludwig XIV. war zwar nicht der einzige Herrscher, der sich mit dem Symbol der Sonne umgab, aber er ist unbestritten der einzige „Sonnenkönig“. Viele Publikationen sind erschienen, die diese Symbolik aufgreifen. Die Analyse ausgewählter Beispiele der zeitgenössischen Bildpublizistik zeigt, dass die Sonnenikonographie Ludwigs aus mehreren Propagemen bestand, die jedoch unterschiedlich interpretiert werden konnten. Die dadurch entwickelte Bildersprache gibt einen Einblick in die Diskurse der Zeit sowie in den „Krieg der Bilder“, der zwischen der pro- und antifranzösischen Seite ausgefochten wurde. Die Arbeit fragt nach der Herkunft der Bildmotive sowie nach den Querverbindungen zwischen den herangezogenen Fallbeispielen.

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Türkenbilder in der Reysbeschreibung des Johann Wild (1613)

von Christoph Würflinger

Arbeit eingereicht bei: Univ.-Prof. Mag. Dr. Arno Strohmeyer

Diese Arbeit beschäftigt sich mit Fremdbildern im frühen 17. Jahrhundert. Untersucht werden diese anhand des 1613 veröffentlichten Reiseberichts des Soldaten Johann Wild, der im Zuge des sogenannten Langen Türkenkrieges (1593–1606) in Gefangenschaft geriet und infolge dessen als Sklave das ihm fremde Osmanische Reich bereiste. Mittels eines weiten Kulturbegriffs wird analysiert, wovon und aus welchen Gründen sich Wild abzugrenzen versuchte. Sein Bericht wird dabei stets im Kontext der zeitgenössischen Literatur zur „Türkengefahr“ betrachtet.

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Das Selbstzeugnis des Johannes Bozenhart – Übergangsriten im Dreißigjährigen Krieg

von Martina Rauchenzauner

Arbeit eingereicht bei: Univ.-Prof. Mag. Dr. Arno Strohmeyer

Johannes Bozenhart, ein Benediktinermönch aus der Nähe von Ulm, fasste während des Dreißigjährigen Krieges seine Erlebnisse, Erfahrungen und Gedanken in einem Tagebuch zusammen. Neben den Beschreibungen der politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen schildert der Geistliche auch Szenen aus dem Leben seiner Mitmenschen. Trotz des Krieges versuchten diese, gesellschaftliche Ereignisse in gewohnter Form zu begehen. In diesem Beitrag werden die Rituale Taufe, Hochzeit und Begräbnis unter Einbeziehung der Theorie von Arnold van Gennep, der rites de passage(Übergangsriten), analysiert. Dabei steht nicht nur die Abfolge der einzelnen Rituale im Vordergrund der Betrachtung, sondern auch die Darstellung dieser Ereignisse durch den Autor Bozenhart. Dadurch lassen sich Rückschlüsse auf die Persönlichkeit des Schreibers im Kontext von Gesellschaft und Krieg ziehen.

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Orientbilder in Montesquieus „Vom Geist der Gesetze“

von Lukas Pesendorfer

Arbeit eingereicht bei: Univ.-Prof. Mag. Dr. Arno Strohmeyer

Charles-Louis de Secondat, Baron de Montesquieu veröffentlichte 1748 mit dem Werk Vom Geist der Gesetze eine umfangreiche politische Theorie, in der erstmals die Idee der staatlichen Gewaltenteilung einem breiten Publikum bekannt gemacht wurde. Hauptsächlich werden in dem Werk jedoch die verschiedenen Staatsformen der Welt mithilfe historischer Ereignisse reflektiert und kategorisiert. Eine zentrale Rolle nimmt dabei das Gegensatzpaar Asien – Europa ein. Im Spannungsfeld „Orient“ und „Okzident“, Despotie und Monarchie sowie imaginierten Orientbildern und historischen Reiseberichten entfaltet Montesquieu eine komplexe Theorie, die heute auch als indirekte Kritik an der Herrschaft Ludwigs XIV. gedeutet wird.

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Die „Kleidung“ der Diplomatie. Kaftane in den habsburgisch-osmanischen Beziehungen

von Lisa Brunner

Arbeit eingereicht bei: Univ.-Prof. Mag. Dr. Arno Strohmeyer

Kleidung hatte und hat einen bedeutenden kulturellen Stellenwert, so kann sie etwa identitätsstiftend wirken oder gewisse Bevölkerungsgruppen klar kennzeichnen. Die vorliegende Arbeit widmet sich im Speziellen der Verleihung von sogenannten Ehrenroben an habsburgische Gesandte in Konstantinopel. Die oftmals falsche Deutung dieses zeremoniellen Aktes aufseiten der Europäer unterstreicht das gegenseitige kulturelle Missverständnis, denn die Übergabe eines Kaftans erfolgte im osmanischen Kulturraum nur von einem Ranghöheren an eine rangniedrigere Person.

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„John Bull Guards his Pudding”: Der Plumpudding als Symbol für nationale Identität in englischen Karikaturen des 19. Jahrhunderts

von Eva Nedwed

Arbeit eingereicht bei: Univ.-Prof. Mag. Dr. Arno Strohmeyer

Karikaturen beinhalten Symbole mit unterschiedlichen Bedeutungen, die für deren Aussage entscheidend sein können. Die vorliegende Arbeit befasst sich mit einem der wohl kuriosesten Symbole in englischen Karikaturen: dem Plumpudding. Im Mittelalter entstanden, etablierte sich der Plumpudding spätestens im viktorianischen England als eines der typischsten Weihnachtsgerichte des Landes. Karikaturisten, wie James Gillray, machten sich die Bekanntheit der Speise zunutze, um sie in ihren Zeichnungen als Symbol für England und Englishness einzusetzen. Anhand von drei Karikaturen aus dem 19. Jahrhundert wird erläutert, wie Patriotismus und Überlegenheitsgefühle in verschiedenen Kontexten durch das ungewöhnliche identitätsstiftende Nationalsymbol dargestellt wurden.

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„Wann ist ein Mann ein Mann?“ Hegemoniale Männlichkeitskonzepte in ausgewählten Karikaturen der Zeitschrift Figaro (1900–1910)

von Philipp Humer

Arbeit eingereicht bei: Univ.-Prof. Mag. Dr. Arno Strohmeyer

Die Beschäftigung mit der Konstruktion von Männlichkeiten in Bildquellen stellt nur einen kleinen Bereich innerhalb der Disziplin der Gender Studies dar. Im vorliegenden Beitrag werden anhand ausgewählter Karikaturen aus der österreichischen Zeitschrift Figaro, unter Berücksichtigung der theoretischen Überlegungen der Soziologin Raewyn Connell, Männlichkeitskonstruktionen des frühen 20. Jahrhunderts exemplarisch analysiert und damit sowohl Möglichkeiten als auch Grenzen der hegemonialen Männlichkeitstheorie aufgezeigt.

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