Materielle Kultur und Mobilität frühneuzeitlicher Militärlager, Funde der Belagerung Heidelbergs 1622

von Tobias Bidlingmaier

Arbeit eingereicht bei: Dr. Thomas Kühtreiber


Das Söldnerleben im Dreißigjährigen Krieg war geprägt von langen Märschen und beschwerlichem Lagerleben. So legte der Söldner Peter Hagendorf über 25.000 Kilometer zurück und schrieb seine Erlebnisse in einem Tagebuch nieder. Im vorliegenden Beitrag sollen anhand des sogenannten Tillyfundes, einem archäologischen Fundkomplex von einem kaiserlichen Militärlager während der Belagerung Heidelbergs 1622, Einblicke in die materielle Kultur und Mobilität von Militärlagern im 17. Jahrhundert gewonnen werden. Anhand der drei Kategorien Mobilität durch Objekte, Bewegte Objekte und Handlungsmacht durch Objekte werden die Herausforderungen von Transport und Logistik, die Beweglichkeit von Bedarfsgütern und die Waffentechnik in den Blick genommen. Ergänzend werden Bild- und Schriftquellen, darunter das Tagebuch Hagendorfs, hinzugezogen. Von besonderem Interesse ist dabei das Verhältnis zwischen Mensch und Objekt.

pdf download

„Schwüles Klima“ außerhalb Berlins? Außergroßstädtische mediale Diskurse um männliche Homosexualität in der Weimarer Republik (1918-1933)

von Marcus Gründlinger

Arbeit eingereicht bei: Ass.-Prof. Dr. Alfred Stefan Weiss


Dass das Berlin der Weimarer Republik als sicherer Hafen für die immer stärker in die Öffentlichkeit tretende Homosexuellenbewegung galt, ist kein Geheimnis. Die Anonymität und das progressive politische Klima in den Großstädten, erlaubte die Herausbildung vielfältiger Subkulturen, während das Gebiet außerhalb der Großstädte allgemein als homophob galt, was auch von Zeitgenoss*innen so wahrgenommen wurde. Jüngere Forschungen haben jedoch Ergebnisse gezeigt, dass eine grundsätzliche Neubewertung dieser pauschal assoziieren wie zugeschriebenen Homophobie erforderlich ist. Dieser Aufsatz möchte einen ersten Beitrag zu dieser Diskussion leisten, indem der Diskurs um männliche Homosexualität in zwei Jenaer Regionalzeitungen analysiert wird. Dadurch soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit sich der Diskurs zur männlichen Homosexualität in den genannten Medien von jenem in der überregionalen Presse unterscheidet und ob hier eventuell ein regionaler „Mesodiskursraum“ vorzufinden ist. Hieraus ergibt sich das Bild eines differenzierteren Umgangs der Regionalzeitungen mit dem Thema Homosexualität, die möglicherweise auch die Einstellung der Jenaer Bevölkerung beeinflusst haben könnte.

pdf download

Salzburg in historischen Fotografien des 19. Jahrhunderts. Eine Fotorallye

von Elias Kirchtag

Arbeit eingereicht bei: MMag. Dr. Heinrich Ammerer


Der vorliegende geschichtsdidaktische Beitrag beschäftigt sich mit Kontinuitäten und Wandel in der Stadt Salzburg im und seit dem 19. Jahrhundert. Kontinuitäts- und Wandelerscheinungen, die im Anschluss an die Industrielle Revolution im Stadtbild Salzburgs sichtbar werden, werden anhand von historischen Fotografien für Schüler*innen an die Oberfläche geholt und von ihnen analysiert. Als Methode dient dazu die Fotorallye, die es ermöglicht, die abgebildeten historischen Orte aus den Fotografien des 19. Jahrhunderts als Lernorte zu besuchen. Im Rahmen der Rallye sollen bei den Lernenden historische Fragen nach Historizität und Veränderlichkeit evoziert werden (historische Fragekompetenz). In einer darauffolgenden Unterrichtssequenz werden die Erfahrungen aus der Fotorallye quellenkritisch beleuchtet und anhand dessen Re-Konstruktionen erstellt (historische Methodenkompetenz). Im Weiteren erfolgt eine de-konstruktive Auseinandersetzung mit Darstellungen zum Unterrichtsthema (historische Methodenkompetenz). Abschließend zielt dieser Unterrichtsentwurf auf die Anbahnung der historischen Orientierungskompetenz ab, indem Orientierungsangebote in Darstellungen offengelegt und diskutiert werden.


pdf download

How did women influence the drafting process and the outcome of the Universal Declaration of Human Rights?

von Justyna Moszynska

Arbeit eingereicht bei: Mag. Dr. Johannes Dafinger


After World War II the international community felt a need to recognize human rights in the form of a universal document which would pertain to all peoples of the world. The newly founded United Nations decided to draft the Universal Declaration of Human Rights (1948), and, in an unprecedented manner, strived for cultural, racial and gender diversity in the process. The role of women in the drafting of the Declaration has largely been omitted in historiography, but new research shows how important their contributions were to the ‘universal’ aspect of the document. This article examines their influence on the drafting of each article and the final outcome of the Declaration with the use of official UN records to show which rights they were fighting to secure.

pdf download

Eine Epoche vor Gericht. Der Eichmann-Prozess als Sondersendung im Fernsehen der BRD“

von Lisa Stampfer

Arbeit eingereicht bei: Univ.-Prof. Mag. Dr. Margit Reiter


Der Prozess gegen den NS-Täter Adolf Eichmann in Israel 1961 sorgte weltweit für Aufsehen. In der BRD wurde der Prozess zu einem damals einzigartigen Medienereignis, insbesondere durch die Sondersendung Eine Epoche vor Gericht, die den Prozess, aber auch Reaktionen darauf sowie Auswirkungen des Prozesses begleitete. In dieser Arbeit wird diese Sendung eingehend analysiert und mit der zeitgenössischen Zeitungsberichterstattung in der BRD verglichen. Für die deutsche Bevölkerung bedeutete der Prozess einen Anstoß zur Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit und ihren Täter*innen. Die Medien spiegelten dieses Bestreben, zeigten zugleich jedoch die vorherrschende Abwehrhaltung sowie Unsicherheiten und Sorgen vor einem Ansehensverlust Deutschlands vor der Weltöffentlichkeit.

pdf download

Begegnung – Betrachtung – Annäherung. Das „andere“ Geschlecht in ausgewählten Reisebeschreibungen Ida Pfeiffers (1797-1858)

von Valentina D'Uva

Arbeit eingereicht bei: Univ.-Prof. Mag. Dr. Arno Strohmeyer


Reisende, Forscherin, Sammlerin, Touristin, Grenzgängerin? – die Wiener Biedermeierdame Ida Pfeiffer (1797–1858) erlangte aufgrund ihrer abenteuerlichen Reisen rund um die Welt sowohl national als auch international Bekanntheit. Ihre Emotionen, Eindrücke und Erlebnisse wurden in mehreren Reisebeschreibungen festgehalten und im Abstand von 17 Jahren publiziert. Sie zeugen nicht nur von einer subjektiven Auseinandersetzung mit dem Fremden, sondern verdeutlichen auch ihren differierenden Umgang mit Männlich- und Weiblichkeiten. Sie agierte nicht nur entgegen den von der Gesellschaft festgelegten Weiblichkeitskonzeptionen, sondern legte in ihren Reisebeschreibungen auch überaus interessante Kommunikations- und Interaktionsstrategien offen, die verdeutlichen, wie sie Kontakt zu Personen unterschiedlichen biologischen Geschlechts aufbaute. Insbesondere die Begegnung, Annäherung und Betrachtung des „männlichen“ Geschlechts in ausgewählten Reisebeschreibungen Ida Pfeiffers stellen die zentralen Untersuchungspunkte dar.

pdf download

Arbeitsmigration und sozioökonomische Strukturveränderungen in der Pinzgauer Gemeinde Lend von 1890 bis 1933

von Sebastian Engel

Arbeit eingereicht bei: Univ.-Prof. Dr. Martin Knoll


Der vorliegende Aufsatz analysiert den Pinzgauer Industriestandort Lend unter historisch-demografischen und migrationsgeschichtlichen Gesichtspunkten im Zeitraum von 1890 bis 1933. Die in zeitgenössischen Quellen überlieferten Meldedaten der Gemeinde wurden auf Berufsstruktur, Zugehörigkeit zu den drei Wirtschaftssektoren, Aufenthaltsdauer, Altersstruktur, Geschlechterverteilung sowie Herkunft der Einwander*innen hin untersucht. Um die Jahrhundertwende erlebte der Ort durch die Inbetriebnahme einer Aluminiumkarbidfabrik eine zweite Phase der Industrialisierung. Diese Reindustrialisierung wäre ohne den Zuzug von Arbeitskräften nicht möglich gewesen. Vor allem aus den umgebenden Gemeinden wanderten in dieser Zeit zahlreiche Arbeitskräfte zu. Aus ferneren Regionen kamen dagegen nur wenige Einwander*innen. Diese Ferneinwander*innen wiesen oftmals spezifische Fachkenntnisse auf. Daher kann von einem Zusammenhang zwischen Spezialisierung und Ferneinwanderung gesprochen werden. Phasen starken Zuzugs und Phasen, in denen nur wenige Menschen nach Lend zogen, wechselten einander ab. Die vorliegende Arbeit untersucht mögliche Gründe für diese Wellenbewegung.

pdf download

„Aber im Guten, weil wir mit ihm zufrieden sind gewesen und haben ihm sein Vieh in Frieden gelassen. Emotionsgeschichtliche Überlegungen zum Verhältnis zwischen Söldnern und der Bevölkerung im Dreißigjährigen Krieg.

von Marcus Gründlinger

Arbeit eingereicht bei: Mag. Dr. Lena Oetzel


Die Söldner des Dreißigjährigen Krieges sind als brutale und rohe Sozialgruppe in die Geschichte eingegangen. Besonders ihr Verhältnis zur Zivilbevölkerung war maßgeblich von Konflikten geprägt, weshalb die mentalitätsgeschichtliche Forschung trotz immer deutlich werdender Differenzierung von einem „lebensweltlichen Antagonismus“ zwischen diesen Personengruppen gesprochen hat. In diesem Beitrag soll diese Debatte um eine emotionsgeschichtliche Perspektive ergänzt werden, um die indirekt implizierten Emotionen in den Mittelpunkt zu stellen. Würdigt man die sich zeitlich und kulturell wandelnde Konstruktion von Emotionen, ergibt sich ein Söldnerbild, dessen Gewalthandlungen nicht ausschließlich auf eine negative Einstellung zur Zivilbevölkerung zurückzuführen sind. Für die Untersuchung wird eine Reihe von Selbstzeugnissen herangezogen, die einen Einblick in die alltäglichen Konfliktsituationen bei Einquartierungen liefern sollen und eine kritische Analyse der dahinter liegenden Emotionen der Söldner ermöglichen.

pdf download

Esther Gad und die Berliner Salons der 1790er Jahre. Eine Frau ihrer Zeit oder Vordenkerin im Kampf um die Gleichberechtigung der Geschlechter?

von Saskia Terbrüggen

Arbeit eingereicht bei: Priv.-Doz. Mag. Luise Hecht, PhD

Häufig lag der Fokus der geschichtswissenschaftlichen Forschung auf „großen Männern“. Die vorliegende Arbeit befasst sich als Gegengewicht mit dem Einfluss jüdischer Frauen auf gesellschaftliche Veränderungen in den 1790er Jahren. Dafür wirft die Arbeit einen Blick in die Berliner Salons. Im Zentrum steht die in der Forschung eher unbekannte Schriftstellerin Esther Gad (1767–1836). Es soll die Frage geklärt werden, ob Esther Gad eine Frau ihrer Zeit oder doch Vordenkerin im Kampf um die Gleichberechtigung der Geschlechter war. Wesentlich ist hierbei eine „Streitschrift“ Gads, in welcher sie die Aussagen des anerkannten Pädagogen Joachim Heinrich Campe (1749–1818) über die Rolle der Frau in der Wissenschaft argumentativ hinterfragt. Dabei geht Gad auf soziale, moralische und biologische Aspekte ein. Die Schrift ist als ein revolutionäres Pamphlet anzusehen.

pdf download

Die Kunstkammer Erzherzog Ferdinands II.: Das Ambraser Wappenkästchen im Vergleich

von Anna Vierlinger

Arbeit eingereicht bei: Univ.-Prof.in MMag.a Dr.in Christina Antenhofer


Das Ambraser Wappenkästchen ist seit dem 16. Jahrhundert als Teil der Kunst- und Wunderkammer Erzherzog Ferdinands II. auf Schloss Ambras in Innsbruck belegt. Obwohl vor allem in den letzten Jahren das intrikate Innenleben des Kästchens sowie die verschiedenen Materialien aus denen das Innere des Kästchens besteht in der Forschung untersucht wurden, sind Fragen bezüglich der Herstellungsmotive sowie der Funktion des Wappenkästchens noch unbeantwortet. Dieser Beitrag versucht daher durch den Vergleich mit drei ähnlichen Objekten, Antworten auf diese Fragen zu finden. Dazu wird innerhalb der materiellen Kulturforschung methodisch der Zugang einer erweiterten Objektbiografie gewählt. Als Vergleichsobjekte werden unter unterschiedlichen Gesichtspunkten das Quedlinburger Wappenkästchen, zwei Gaming Boxes aus dem Victoria and Albert Museum sowie der Ambraser Schüttelkasten herangezogen.

pdf download